Ein Weg zurück in die Verbindung
Wie sich gespeichertes Erleben zeigt – und sich im feinen Zusammenspiel zwischen Pferd und Mensch beginnen darf zu lösen.
Ich sitze mit dem Bild von Jonny vor mir. Er ist draußen – vermutlich auf der Koppel bei seiner Herde. Ich spüre seine Energie und verbinde mich mit ihm. Mit mir am Telefon ist seine Menschin Susanne, die mit einem wichtigen Anliegen zu mir gekommen ist: Jonny zeigt seit einiger Zeit eine zunehmende Schreckhaftigkeit – besonders beim Kutschefahren. Es gab Situationen, in denen es richtig gefährlich wurde.
Wir wollen herausfinden, was dahintersteckt – und was Jonny selbst dazu zu sagen hat.
Jonny schaut mich direkt an. Ich frage, ob ich ihn erschreckt habe. „Nein, nein, ist schon gut. Ich muss nur schauen, wo das herkommt.“
Er zeigt mir, dass ihn etwas erschüttert hat: „Ich bin unsicher, hier hat es so geknallt.“
Er meint damit kein Silvester-Feuerwerk, sondern ein anderes plötzliches Geräusch – „Bamm, Bamm, Bamm“, wie er es beschreibt. Ich bekomme das Bild eines Traktors oder einer alten, knatternden Maschine.
„Ich bin einfach sehr achtsam geworden, deshalb sehr vorsichtig. Ich schaue sehr genau, was sich um mich herum bewegt. Ich habe nicht damit gerechnet, es kam aus dem Nichts, hat mich sehr erschreckt. Uns alle.“
Ich sehe in seinem Feld Bilder einer flüchtenden Herde. Dazu das Geräusch von Cross-Motorrädern – offenbar etwas, das in der Vergangenheit ein Thema war. Er wirkt seitdem wachsamer, reaktiver.
Körperliche Belastung – das rechte Hinterbein
Jonny öffnet den Zugang zu seinem Körper, und ich spüre sehr stark seine rechte Hüfte:
„Es tut mir weh, häufig.“
Er zeigt mir zusätzlich das rechte Knieband. Das Bein wirkt nicht ganz im Lot – leicht nach außen gedreht. Ich bekomme das Bild eines Eingeknicktseins, wie nach einem Sturz. Es fühlt sich an wie eine Überdehnung mit möglicher Entzündung.
„Ich kann es nicht gut ausgleichen und halten. Das Bein rutscht mir wie weg.“
Ich beschreibe Susanne, wie sie das testen kann – über eine bestimmte Beobachtung des Standes und der Reaktion auf seitlichen Druck. Wir sprechen auch über mögliche Maßnahmen der Unterstützung.
Der Hänger – und das Gefühl, nicht halten zu können
Susanne hat als weiteres Anliegen formuliert, das Jonny Probleme hat mit dem Hängerfahren.
Jonny lenkt auf die Frage hin die Aufmerksamkeit auf sein rechtes Hinterbein. Die körperliche Instabilität hat auch dort eine Rolle gespielt. Die Problematik besteht laut Susanne schon länger.
Was Jonny zeigt, ist klar: Es geht nicht um Angst vor dem Hänger selbst – sondern darum, dass er sein Gleichgewicht nicht halten kann. Und das hängt mit der Schwäche in der Hinterhand zusammen.
Die gefährliche Kutschensituation – Jonny zeigt, was war
Wir schauen gemeinsam auf eine konkrete Situation zurück: Eine Kutschfahrt im November. Susanne berichtet, dass der Stallbesitzer mit einem elektrischen Rasenmäher neben der Koppel stand. Als sie mit der Kutsche vorbeifuhren, hielt er zwar an, doch Jonny wurde auf seiner Höhe plötzlich unruhig – wich erst nach rechts, dann nach links aus, dann ging er durch.
In einer früheren Situation war ein Auto zu nah an ihnen vorbeigefahren – und Jonny raste los. Ich gehe in dieses Bild hinein, bleibe bei ihm, spüre das Geschehen nach.
„Ich will nach rechts ausweichen.“
Er trägt Scheuklappen. In diesem Moment kann er die Bedrohung nicht einschätzen. Ich nehme sie ihm innerlich weg, damit er das ganze Bild erfassen kann, und sage:
„Das war der Fehler des Autofahrers. Du hast gar nichts falsch gemacht!“
Ich bleibe präsent in dieser Szene, spüre die Dichte, den Schreck, ein totales zusammenziehen.
Mein Körper reagiert mit einem eiskalten Schauer über den ganzen Körper.
Es fühlt sich an wie eine Art Schock, ein Trauma.
Ich frage Susanne:
Sind Sie seit dem Unfall angespannt beim Fahren?
„Ja. Also beim Reiten ist es nicht so schlimm, aber Kutsche fahren kostet mich echt Überwindung. Und eigentlich war das so unser Ding.“
Der Moment des Schocks – und was er in Bewegung setzt
Ich bleibe mit Jonny in der Verbindung. Wir sprechen über das, was sich zwischen ihnen verändert hat. Und dann passiert etwas Unerwartetes:
Susanne sagt plötzlich,
„Was mir gerade passiert, ist, dass mein Bein voll zuckt.“
Ich bleibe ruhig bei dem, was sich zeigt. Es ist das rechte Bein – das Bein, mit dem sie in jener Situation mit voller Kraft auf die Bremse stieg, um Jonny in der Gefahr zu halten.
„Das ist super. Damit hilft sich Ihr Körper selber.“
Das Zucken bleibt, bewegt sich weiter. Ihr Körper beginnt von selbst, die Energie zu entladen, die sich damals festgesetzt hat. Ich begleite sie, ohne etwas zu forcieren.
Susanne sagt:
„Ich will ja langsamer werden – also auf die Bremse. Und es war dann tatsächlich so, dass wir galoppiert sind, und ich, als ich wieder denken konnte, von der Bremse runter bin. Und dann habe ich gerufen: Jonny.“
Und er hat reagiert. Durchpariert. Die Verbindung zwischen ihnen war damals da – und sie ist auch jetzt spürbar, während sich etwas löst, was sie beide in dieser Erfahrung miteinander gehalten hat.
Ein Gespräch über Traumaheilung – mit offenem Raum
In dieser Kommunikation wurde sichtbar, wie tief Trauma wirken kann – nicht nur im Verhalten, sondern im Körper, in der Beziehung, im feinen Miteinander.
Was sich gezeigt hat, war eine spontane Bewegung in Richtung Lösung – nichts, was geplant oder gewollt war, sondern etwas, das sich aus der Verbindung heraus entfaltet hat.
Ich habe Susanne empfohlen, das, was sich begonnen hat zu lösen, weiter zu begleiten – falls noch Symptome bleiben oder sich später zeigen. Eine sanfte, körperorientierte Möglichkeit ist Somatic Experiencing, die Traumaheil-Methode nach Dr. Peter Levine zur Arbeit mit gespeicherten Überlebensreaktionen. Denn was sich im Körper festsetzt, darf über den Körper auch wieder ins Fließen kommen.
Einige Wochen später
Einige Wochen nach unserem Gespräch bekomme ich eine Nachricht von Susanne:
„Wir sind verbundener als jemals zuvor.“
Sie hat sich getraut, Jonny wieder einzuspannen.
Gemeinsam sind sie Kutsche gefahren – ruhig, vertrauensvoll, verbunden. Jonny läuft entspannt und zuverlässig.
Das Gegenseitige Vertrauen ist wiederhergestellt – und sie können das Zusammensein wieder in vollen Zügen geniessen!
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